Raus aus Hohenlohe – durchstarten in der weiten Welt

SWAG trifft Timo Wuerz, Künstler aus Niedernhall

Hohenlohe ist landschaftlich wunderschön, hat eine sehr gute Infrastruktur und viele international tätige Unternehmen, die als Arbeitgeber attraktiv sind. Trotzdem zieht es immer wieder „Hohenloher Kinder“ in die weite Welt, manche sogar bis in den Weltraum.
Wir haben uns mit dem Zweitcoolsten Niedernhaller getroffen, um ihn zu fragen, warum er Hohenlohe verlassen und wie er seine Karriere vorangetrieben hat. Dem zweitcoolsten? Originalton Timo Wuerz: „Ich streng mich so an: ich bin tätowiert bis unter die Haarspitzen, hab mit Rockstars zu tun, hab zwei Pumas adoptiert, gestalte Luxusautos und dann bin ich in Niedernhall höchstens der zweitcoolste. Gegen nen Astronaut hast einfach koi Chance.“

Aber fangen wir am Anfang an. Geboren wurde Timo Wuerz im Jahr 1973. Mit dem Zeichnen fing er sozusagen an, sobald er einen Stift halten konnte und malte mit anderthalb Jahren sein erstes Bild: einen Clown. Mit 14 Jahren hatte er dann seine erste Ausstellung, mit 20 veröffentlichte er seinen ersten großen Comic und startete in die Selbstständigkeit als Künstler und Maler. ‚Der war bestimmt immer super in Kunst’, könnte man da meinen. Aber nein. „In Kunst hatte ich nie einen Einser. Kunst war für mich so selbstverständlich wie atmen und reden. Ich konnte es einfach nicht leiden, wenn mir da jemand reingequasselt hat. Deshalb hab ich die meiste Zeit mit dem Lehrer gestritten. Zum Glück war ich immer intelligent genug, dass ich nicht viel lernen musste für die Schule. Ich hab nur so viel getan, dass ich die Fächer, in denen ich nicht gut war, ausgleichen konnte und damit ein ganz gutes Abitur geschafft habe.“
Nach der Schule wollte er Illustration oder Design studieren, doch seine Bewerbungsmappe wurde abgelehnt. Allerdings nicht, weil die eingereichten Zeichnungen nicht gut genug waren – ganz im Gegenteil. „Einem Ausnahmetalent wie Ihnen können wir nicht mehr viel beibringen“ hieß es von der Prüfungskommission. So machte sich Wuerz also ohne Kunststudium oder Ausbildung als Künstler selbstständig. Seine Eltern und Verwandten waren davon nicht sonderlich begeistert, aber er war so zielgerichtet und nicht davon abzubringen, dass sie ihn gewähren ließen. „Meine Mutter denkt heute noch, das sei nur eine Phase“ lacht Wuerz. Zunächst war er von Hohenlohe aus tätig und gründete mit einem Freund eine Firma in Schwäbisch Hall. Doch bald wurde es ihm in Hohenlohe zu eng. „Wenn du in Hohenlohe was Besonderes machst, weiß jeder alles über dich. In Hamburg, wo ich jetzt wohne, schätze ich die Anonymität. Da weiß keiner so genau, was ich mache.“

Und gemacht hat Timo Wuerz schon einiges: Illustrationen für knapp hundert Bücher, er hat Briefmarken, Luxusautos, Plattencover, Snowboards, Poster und Spielzeug gestaltet. Trotz allem hat er aber immer noch Traumprojekte, die sich seiner Erfahrung nach aber von ganz allein ergeben. „Manchmal dauert‘s, aber die kommen auf mich zu. Ich forciere da nichts.“

Sehr stark engagiert er sich für den Natur- und Artenschutz. Da kann es schon mal vorkommen, dass er ganz spontan am Eröffnungsabend seine Ausstellungsbilder verkauft und den Erlös für ein Tierschutzprojekt spendet. Außerdem hat er für zwei Pumas adoptiert, die in einem Reservat in der Nähe von Los Angeles leben und die er regelmäßig besucht. Und Aufträge von Firmen, deren Produkte und Philosophie nicht zu seiner Überzeugung passen, lehnt er kategorisch ab. „Sowas kann ich nicht unterstützen, aber meine Haltung erzeugt auch Respekt auf der Seite der Auftraggeber.“

Timo Wuerz ist dankbar, das machen zu können, was er liebt und für diese Freiheit auch noch bezahlt zu werden. Trotzdem kann der Weg dahin auch schwer sein. „Man muss durchhalten können. Einen Großteil meiner Arbeitszeit hab ich ganz allein in einem Raum, einer Wohnung oder einem Haus gemalt. Das Resultat: heute zahlt es sich aus.“

Kleiner Überblick über Timo’s Kunden
Adidas, Daimler, Deutsche Post, Disney, Marvel, DC Comics, Sony, Lamborghini Beverly Hills, Post Luxemburg, Roncalli, Volkswagen, IBM, Sony, Nintendo und viele mehr

Drei Fragen an Timo Wuerz

War es schwer, einen Verleger für deinen ersten Comic zu finden?
Nein. Ich bin mit den ersten 15 Seiten meines Comics nach Erlangen auf die Comicmesse gefahren. Ich hatte mir rein nach Bauchgefühl eine Liste der Verlage gemacht, die ich mir für meinen Comic gewünscht habe. Ich bin zum ersten Stand hin, hab meine Leseprobe gezeigt und gesagt „Ich hab da einen Comic gezeichnet. Wollt ihr den drucken?“ Die haben kurz reingeschaut und gesagt „Ja, machen wir.“ Im Jahr drauf saß ich dann auf der anderen Seite des Tresens auf der Messe.

Hat sich deine Karriere einfach so ergeben, oder hast du sie geplant?
Ja, das sieht hinterher alles so linear aus, aber geplant war da nix. Das hat sich einfach so ergeben. Ich habe nie Kundenakquise gemacht, die Projekte haben immer irgendwie mich gefunden.

Welchen Tipp hast du für Azubis, die einen außergewöhnlichen Beruf – vielleicht sogar gegen die Empfehlung der Eltern – ergreifen wollen?
Wichtig ist, etwas zu machen, das einem Spaß macht. Man muss die Sache aber auch ernst nehmen und durchhalten. Du musst vorher überlegen, was du bereit bist, dafür zu tun. Und dann bleib dir treu und tu was du liebst, denn das Leben ist lang.

 

 

Buchtipp

The Art of Metal
Omen, Steel Prophet, Acheron, Edge Of Paradise …

Timo Wuerz kreiert seit Jahrzehnten Plattencover für die ganz Großen, die Kleinen und die Kultigen der Metal-Szene. Eine Zusammenstellung seiner berauschendsten Arbeiten, kombiniert mit Hintergrundinformationen und wahnwitzigen Zitaten!

240 Seiten, Farbe, Hardcover mit Kurzgeschichten von Steve Kachinsky (Steel Prophet), Vorwort von Heavy Metal Coach Rainer Biesinger, Nachwort von Timo Wuerz, viele Kommentare der Bands, Skizzen, Arbeitsprozesse, unveröffentlichte Cover.

 

www.timowuerz.com
www.wild-and-free.com