Alois Wimmer im Gespräch

Verantwortlich für den Geschäftsbereich Produktion der Firma SWG ist Alois Wimmer. In der Zeit seiner Tätigkeit als Geschäftsführer hat sich der Umsatz der SWG Produktion etwa versechsfacht. Er betreut darüber hinaus als Geschäftsbereichsleiter (Executive Vice President) im Würth-Konzern insgesamt 18 Firmen, die überwiegend produzieren, u. a. diverse Arten von Schrauben, Dübeln und Werkzeugen. In seiner Funk­tion als Geschäftsbereichsleiter hat er eine Umsatzverantwortung von jährlich über 500 Millionen Euro und über 4.500 Menschen arbeiten in diesen Firmen. Im folgenden Beitrag beantwortet er Fragen der Redaktion zu seinem Werdegang.

Redaktion: Herr Wimmer, Sie sind seit rund 27 Jahren Geschäftsführer bei SWG. Sie waren also noch relativ jung, als Sie diesen verantwortungsvollen Posten übernahmen. Wie kam es dazu?

Alois Wimmer: Aus heutiger Sicht heraus betrachtet, war ich sicherlich jung. Mit meinen 32 Jahren war ich jedoch durch die vorherige Position, die ich als Technischer Leiter bei einem amerikanischen Konzern mit einer Niederlassung in Deutschland schon inne hatte, durchaus von meiner Seite her gefühlt für diese Position geeignet und habe dann auch den Mut gehabt, mich dieser neuen Aufgabe zu stellen.

Redaktion: Wie kam man denn beim Würth-Konzern gerade auf Sie?

Alois Wimmer: Ja, das war wie so oft im Leben eine Kombination aus Glück und guten Menschen. Ich hatte das große Glück, dass ich in meinem Umfeld mit Menschen zusammen war, die wiederum Kontakt zur Firma Würth hatten, und so wurde ich empfohlen und konnte den Anforderungen des damaligen Interviewpartners, Herrn Bauer, gerecht werden. Wir waren relativ schnell handelseinig. Da war sicherlich auch als Basis ein Gefühl des gegenseitigen Vertrauens vorhanden, das sich bereits in den ersten Gesprächen zeigte und dann später als absolut richtig erwiesen hat.

Redaktion: Sie waren also offenbar als „Fachmann fürs Schraubenmachen“ bekannt, und in dieser Funktion kamen Sie zum Schraubenwerk Gaisbach. Kann man das so sagen?

Alois Wimmer: Ja, ich kam aufgrund meines Werdegangs zu SWG. Nach meiner Berufsausbildung zum Schlosser konnte ich über den sogenannten „zweiten Bildungsweg“ ein Maschinenbaustudium aufnehmen und erfolgreich abschließen. Die Diplomarbeit habe ich in einem traditionsreichen Schrauben-Produktionsbetrieb, der Firma Boesner in Neuwied (heute LS Boesner), geschrieben. Dann wechselte ich zu einem amerikanischen Konzern, der Firma TRW, deren Haupttätigkeitsfeld die Herstellung von Kaltumformteilen war (Anmerkung der Redaktion: Kaltumformung ist ein Verfahren, das auch bei der Herstellung von Schrauben eingesetzt wird). Somit hatte ich über einige Jahre hinweg grundlegende theoretische und auch praktische Erfahrungen in Produktionsbetrieben gemacht und dabei Vorkenntnisse über Prozesse gesammelt, die beim Schraubenwerk Gaisbach gleichermaßen vorzufinden waren – womit ich mich also bestens auskannte!

Redaktion: Es ist bestimmt nicht ganz einfach, wenn man mit Anfang 30 als Chef in eine Firma kommt, die es schon seit über 20 Jahren gibt und in der sicher viele Mitarbeiter älter und erfahrener waren als Sie, oder?

Alois Wimmer: Ja, ich gebe Ihnen Recht. Es ist nicht unbedingt die Norm, aber ich bin der festen Überzeugung, dass es durchaus möglich ist, auch als 32-jähriger eine solche Position auszufüllen. Vorausgesetzt man hat eine gewisse Demut, also Respekt vor dem Geleisteten der Kollegen. Dann bindet man diese auch mit ein! Meiner Meinung nach ist das, was sich über viele Jahre entwickelt hat, ja keine Einzelleistung, sondern eine Teamleistung. Das ist auch das Wunderbare an der Firma SWG, dass wir eine „Schrauben-Werk-Gemeinschaft“ sind, wie ich das immer gerne nenne, und nicht das Werk von irgendwelchen Egomanen oder Einzelpersonen. Dafür bin ich ausgesprochen dankbar. Ich habe sehr viele gute Arbeitskollegen und auch väterliche Freunde gefunden, mit denen wir diese Firma weiterbringen konnten. Hier möchte ich ganz sicherlich den schon seit längerer Zeit im Ruhestand befindlichen Kurt Röger erwähnen, aber auch einen Siegfried Häuser oder einen leider viel zu früh verstorbenen Dieter Kurz, und ich könnte noch viele weitere aufzählen. Damit möchte ich eigentlich nur zum Ausdruck bringen, dass man nie die eigene Leistung überbewerten, sondern sich generell mit den Kollegen abstimmen und das gemeinsame Optimum suchen sollte!

Redaktion: Gehen Sie auch heute noch in den Betrieb und zeigen den Mitarbeitern an der Maschine, „wo es lang geht“? Schließlich tragen Sie meistens Anzug und Krawatte …

Alois Wimmer: Ihre Frage irritiert mich ein wenig. Meine Ansage war nie, dass ich den Leuten zeigen will, „wo es lang geht“, sondern, dass ich mit den Leuten gemeinsam den Weg suche, wo wir lang gehen können! Dies ist unabhängig davon, ob ich in Anzug und Krawatte oder in Jeans und Pullover komme. Es geht immer darum, wie bereits vorher ausgeführt, dass wir das Momentum der gemeinsamen Aktivität finden, dass wir uns darauf einlassen, neue Wege einzuschlagen, und dass wir eine Verbindung zueinander aufbauen, die von Vertrauen und Ehrlichkeit getragen ist. Nur so lässt sich auch die Erfolgsgeschichte von SWG erklären! Es kommt nicht von ungefähr, dass wir den Ertrag derart steigern konnten. Das war nur gemeinsam mit den Kollegen und Mitarbeitern möglich!

Redaktion: Wie kam es eigentlich zu Ihrer Berufswahl? War die erste Ausbildung zum Schlosser Ihr Traumberuf? Und wurden Sie dabei von Ihren Eltern unterstützt?

Alois Wimmer: Als junger Mensch ist es natürlich immer eine Herausforderung, den richtigen Beruf auszuwählen. Hier haben bei mir mehrere Faktoren eine Rolle gespielt. Zum einen die Frage: „Was lernen meine Freunde?“, zum anderen die Unterstützung meiner Eltern, und die persönliche Neigung. So ist aus dieser ganzen „Mixtur“ ein Schlosserberuf geworden, den ich dann erlernt habe, um aber nach meiner Lehre festzustellen, dass dies nicht das Ende meines Werdegangs sein kann. Wie bereits erwähnt habe ich dann auf dem zweiten Bildungsweg einige Schulabschlüsse nachgeholt, bis dahingehend, dass ich ein Ingenieur-Studium absolviert habe. In meiner Diplomarbeit habe ich mich dann mit dem Thema „Schraubenbefestigungen“ bei der Firma Boesner beschäftigt und bin so in diese Schiene hineingerutscht. Noch heute bin ich meinen Eltern dankbar, die mich meine Berufswahl haben frei treffen lassen, ohne spezifische Vorgaben zu machen! An dieser Stelle kann ich nur jedem jungen Mann und jeder jungen Frau empfehlen, sich nicht von irgendwelchen Karrieremodellen leiten zu lassen. Stattdessen sollte man das tun, wo man mit dem Herzen dabei sein kann! Dann wird eventuell auch die Karriere kommen, aber eins wird sicherlich kommen, nämlich ein zufriedenes Berufsleben. Und auf dem Gebiet, auf dem man gerne und mit Engagement tätig ist, bringt man auch entsprechend gute Leistungen.

Redaktion: Herr Wimmer, welche Ziele haben Sie noch in Ihrem Berufsleben? Manche Leute, z. B. Politiker, legen in Ihrem Alter ja erst so richtig los. Streben Sie noch weitere Erfolge auf der Karriereleiter an?

Alois Wimmer: Ja, der Horizont meines Berufslebens ist durchaus erkennbar! Wenn ich die Frage richtig verstehe, glauben Sie ja, dass ich nochmals richtig loslegen sollte. Ich würde jetzt hier ein wenig mit Augenzwinkern implizieren, dass Sie mir unterstellen, ich hätte mich bis jetzt zurückgehalten.
Aber nein, ich habe keinerlei Ambitionen, ein Buch zu schreiben oder irgendwelche Leute beratend „zuzutexten“. Vielmehr will ich noch in den Jahren, in denen ich meinen Beruf weiter ausüben darf, die bestehenden Prozesse optimieren. Auch will ich mich mit meinen Kollegen zusammen auf neue Engagements einlassen und noch „unbeackerte Felder“ betreten, also weitere Erfolge für SWG und die mir darüber hinaus noch anvertrauten Produktionsfirmen erzielen. Das Ganze hat wenig mit Karrierestreben zu tun, sondern eher mit der „Freude am Gelingen“. Es ist wichtig, die Dinge nicht unter reinen Karriere-Gesichtspunkten zu sehen, sondern die Möglichkeiten und Chancen zu betrachten, sowie die Freude am eigenverantwortlichen Arbeiten. Ich kann es nur jedem ans Herz legen, keine Entscheidungen ausschließlich mit der Hoffnung auf Karriere zu treffen, sondern immer unter dem Gesichtspunkt, dass man morgens mit Freude aufstehen und zur Arbeit gehen und gerne mit den Kollegen zusammenarbeiten möchte.

Redaktion: Dazu wünschen wir Ihnen alles Gute und bedanken uns sehr herzlich für die Beantwortung der Fragen!