Der Hauch von Freiheit und Abenteuer

…liegt manchmal hinter der nächsten Tür

8 Monate Work & Travel
Ein Erfahrungsbericht von Annika

Hallo, mein Name ist Annika und ich bin 22 Jahre alt. Gerne möchte ich euch heute von meinen Erfahrungen im Ausland berichten. Nach meinem Schulab­schluss habe ich eine Ausbildung zur Industriekauffrau absolviert und mir danach eine achtmonatige Auszeit genommen. Besucht habe ich die Länder Neuseeland, Australien, Thailand und Vanuatu, das ist eine Inselgruppe im Pazifik.

Wie es dazu kam
2015 war ein Mädchen aus meinem Ort bereits mit der gleichen Organisation in Neuseeland. Nach ihrer Reise hat sie 2016 einen Abend gestaltet, an dem sie von ihren Erlebnissen erzählt hat. Schon damals bekam ich Lust auf eine derartige Erfahrung. Doch ich steckte mitten in der Ausbildung und war mir nicht sicher, ob ich es wagen würde, diesen Schritt zu tun und mich nochmals in die finanzielle Abhängigkeit stürzen würde. Das Übernahmegespräch in meinem Ausbildungsbetrieb kam näher und ich musste mich entscheiden! Meine Eltern gaben mir zu verstehen, dass sie hinter mir stehen, egal wie ich mich entscheide. Das war für mich in diesem Moment unglaublich wichtig. Und nun sitze ich hier und bin überglücklich, dass ich mich dafür entschieden habe und allen Menschen von meinen Erlebnissen berichten kann.

Was ich gemacht habe
Insgesamt war ich fünfeinhalb Monate lang in einer Jüngerschaftsschule von YWAM in Neuseeland. YWAM steht für Youth With A Mission. Das Programm dauerte 22 Wochen, wovon ich 12 Wochen auf der Schule in Neuseeland verbrachte und auf meinen Einsatz in Vanuatu vorbereitet wurde. In diesem Zeitraum hatte ich die Chance, viel über mich und meine Stärken zu lernen.

 

Anschließend ging es dann nach Vanuatu. Dort haben wir mehrere Wochen im Busch gelebt. Unsere Mission war es, den Menschen auf den Inseln zu zeigen, dass jeder Mensch etwas Besonderes ist und daher wertgeschätzt werden sollte. Wir haben viel Beziehungsaufbau geleistet, mit den Frauen gekocht, Sehtests durchgeführt und Kinderprogramm angeboten. Eine weitere unserer Aufgaben war es, den Nivans, so nennt man die Menschen dort, christliche Werte zu vermitteln.

Zurück in Neuseeland hatten wir noch eine zeitlang Schule, bevor ich noch zweieinhalb Monate die Länder Neuseeland, Australien und Thailand bereiste.

Was ich erlebt habe
In den vergangenen acht Monaten habe ich ziemlich viel erlebt und es ist schwer, das alles in Worte zu fassen. Erinnerungen, die ich wohl nie vergessen werde, sind die Becher-Dusche und das Plumpsklo. Die Kinder und Frauen berührten konstant unsere Haare mit ihren Händen. Sie waren begeistert, keine Locken zu fühlen. Auch wenn das komplette Team Durchfall hatte, war die Zeit im Busch genial! Wir bekamen so viel Dank von den Nivans, das war unglaublich. Eine Frau gab uns eine Ananas als Dankeschön für unser Tun. Erst als ich die komplette Pflanze sah und mir auffiel, dass sie nur eine einzige Frucht im Jahr trägt, wurde mir bewusst, wie wertvoll ihr Geschenk war: Sie hatte uns ihre gesamte Jahresernte gegeben!

Was toll war
Es war super schön, so viele Menschen aus so vielen unterschiedlichen Ländern kennenzulernen und mit ihnen zusammenzuleben. Außerdem war ich ständig von der unberührten Natur überwältigt. Wir waren Schnorcheln in einer Bucht, die noch nie richtige Schiffe gesehen hatte. Es gab einfach so viele tolle Dinge, dass ich gar nicht alles aufzählen kann … die farbenfrohen Kleider der Menschen am Sonntag in der Kirche … das Lächeln der Menschen, denen es eigentlich nicht gut geht … das Leben auf den Märkten … die unendliche Hilfsbereitschaft der Menschen, die eigentlich so arm sind …

Was nicht so toll war
Leider gab es aber auch Dinge, die nicht so toll waren. Dazu gehört zum Beispiel die Mülltrennung in Vanuatu. In den ersten Tagen trennten wir den Müll. Doch ein paar Tage später stellten wir fest, dass ein paar Meter weiter hinterm Plumpsklo aller Müll zusammen auf einem Haufen lag. Der Müll wird gesammelt und einfach verbrannt. Plastik ist im Busch neu. Es gibt zwar noch nicht so viel Plastik, doch es wird immer mehr. Sie verbrennen es mit dem restlichen Müll und nach der Verbrennung riecht es noch tagelang nach diesen ungesunden Gasen.

Eine sehr große Hürde stellte auch die sprachliche Barriere dar. Die Menschen sprechen leider nicht immer Bislama. Wir lernten zwar ein wenig Bislama, doch wir hatten keine Möglichkeit uns mit den Menschen zu unterhalten, die weder Englisch noch Bislama konnten.

Außerdem war es nicht so toll, dass immer wiederkehrende Frustrationen auftraten, wenn die Dinge nicht so liefen, wie wir es uns mit unseren westlichen Gewohnheiten vorgestellt hatten. Ein Beispiel hierfür ist die Fahrt mit dem Boot, auf der wir aufgrund eines Motorschadens schiffbrüchig wurden. Wir brauchten sechs Tage von der einen Insel zur anderen. Normalerweise ist das ein Flug von 20 Minuten mit einem Buschflieger. Immer wieder gab es Zweifel und wir fragten uns, warum diese Dinge geschehen. Doch wir lernten, damit umzugehen. Ja, wir fanden wirklich Freude an den kleinen Dingen im Leben und ließen uns nicht von negativen Erlebnissen beeinflussen. Wir waren überzeugt, dass wir berufen waren, in dieses Land zu gehen. Wir wollten dort etwas bewegen!

Wie der Auslandsaufenthalt meine Zukunft verändert
Durch die Zeit im Ausland habe ich Abstand zu meinem alten Umfeld bekommen. Ich hatte die Chance, mein Leben einmal von einem anderen Blickwinkel aus zu sehen. Ich selbst gehe nicht mehr so ernst durchs Leben. Außerdem habe ich durch meine Erfahrungen einen tiefen Frieden bekommen. Meine Freunde sagen, ich gehe nun viel schlagfertiger durchs Leben. Ich bin eindeutig selbstbewusster geworden und treffe Entscheidungen so, wie ich es möchte und wie es für mich gut ist.
Mein zukünftiges Leben wird durch diese Erlebnisse sehr beeinflusst. Die Freude in den kleinen Dingen im Leben zu finden, ist eine gute Sache. Ich habe erkannt, dass es Dinge gibt, bei denen man auch mal „Nein“ sagen muss. Es ist wichtig, zufrieden und glücklich durchs Leben zu gehen und es ist egal, was die anderen Menschen dazu sagen. Inzwischen erkenne ich ziemlich schnell, ob es Menschen gut oder schlecht geht. Außerdem ist es notwendig, die Dinge anzusprechen, wenn es einem Menschen nicht gut geht. Nur so kann ihm geholfen werden.

Wiederholungsbedarf?
Ja! Ich würde sofort wieder ins Ausland gehen! Auch wieder mit YWAM, denn bei YWAM hatte ich die Chance, in einem „sicheren“ Umfeld Englisch zu lernen und zu sprechen. Dennoch ist dies wahrscheinlich nicht für jeden die passende Organisation. Aber das macht gar nichts. Es gibt viele Organisationen und ich würde es davon abhängig machen, wie viel Zeit man hat und wie viel Geld man ausgeben möchte.

Tipps?
Aber klar doch! Wenn man mit einer Organisation ins Ausland geht, bekommt man meistens eine Liste mit Pflichtimpfungen, die der Arzt unterschreiben muss. Außerdem würde ich jedem empfehlen, sich vorher einmal mit dem Hausarzt in Verbindung zu setzen, um sich von diesem über mögliche Risiken und notwendige Vorkehrungen beraten zu lassen.

Ich kann nur jeden dazu ermutigen, den Schritt zu wagen und ins Ausland zu gehen. Jeder kennt heutzutage jemanden, der bereits im Ausland war. Sprecht mit den Menschen darüber und recherchiert im Internet über die verschiedenen Programme. Macht euch klar, was ihr im Ausland machen wollt und redet mit euren Eltern über euer Vorhaben. Außerdem solltet ihr euch nichts desto trotz Gedanken über die Finanzen machen. Denn schon allein ein Flug kann ziemlich teuer sein.