Keine Angst vor dem
Assessment-Center

Top-Ausbildungsbetriebe wollen mehr als nur brave Bewerbungsmappen – Einsatz ist gefragt

Im Assessment-Center, kurz „AC“ genannt, durchlaufen Kandidaten für besonders gefragte Ausbildungsberufe eine harte Auswahl, vor allem bei ­großen Unternehmen. Die Übungen testen ganzheitlich, wie fit der künftige Azubi ist.

In herkömmlichen Bewerbungsgesprächen sitzt ein einzelner Interessent für Job oder Ausbildungsberuf dem künftigen Chef, Personaler oder Ausbilder gegenüber. Für manche ist diese Situation, in der man als Bewerber auch ein einsamer Einzelkämpfer um Sympathien ist, belastend: Alle Aufmerksamkeit liegt allein auf ihm, besondere Teamstärken und Kommunikationsfreude kommen dabei oft zu kurz. Im Assessment-Center ist alles anders. Hier ist die Bewerbung zwar kein „Mannschaftssport“, denn es geht darum, den oder die Beste herauszufiltern.

Aber es kommt nicht nur auf die Fähigkeiten an, die jemand im Alleingang unter Beweis stellt. Hier kommt auch das zur Geltung, was viele junge Menschen begeistert und stark macht: gemeinsam im Team kreativ sein und Lösungen finden, Rollenspiele und andere fantasievolle Elemente einbinden, sich als Gruppe präsentieren, diskutieren. Stille Typen haben dabei zwar eher zu kämpfen, doch bei anderen AC-Aufgaben machen sie mit ihrer konzentrierten und strukturierten Art die Punkte. Im Assessment-Center ist Platz für Überraschendes und auch für Querdenker, deren Power sich nicht allein in Schulnoten ausdrückt.

Vorbereitung ist die halbe Miete
Trotzdem macht es Sinn, sich auf ein Assessment-Center mental und inhaltlich vorzubereiten. Die Unternehmen schicken vorab Ablaufpläne des AC, so dass der Rahmen abgesteckt ist. Auf jeden Fall sollte sich der Bewerber oder die Bewerberin schon intensiv mit dem Wunschbetrieb auseinandersetzen: Homepage, Social Media oder Presse informieren über Geschäftsfeld, Innovationen oder Trends des künftigen Ausbilders oder Arbeitgebers. Es gibt darüber hinaus typische AC-Aufgaben, die eingeübt werden können: Mit Freunden Rollenspiele oder Gruppendiskussionen vorher zu trainieren macht sogar Spaß!

Weitere Infos:
Unter www.absolventa.de/karriereguide/assessment-
center gibt es viele praktische Tipps zur Vorbereitung
auf ein Assessment-Center.

Lena Kircher und Ihre Kollegin Nora Strohmer im Interview zum Assessment-Center

Was ist ein Assessment-Center und was erwartet mich dort, fragst du dich. Lena Kircher und Nora Strohmer haben Antworten rund um den AC, auf die du gefasst sein solltest.

Was ist ein Assessment-Center?
Lena: Ein Assessment-Center ist eigentlich nichts anderes als ein Schnuppertag bei einem Unternehmen, an dem man eben noch ein paar Aufgaben erledigen muss. Das Unternehmen will dich und deine Fähigkeiten kennenlernen.
Nora: Am besten du benimmst dich dabei einfach so, wie du bist. Es nützt beiden Seiten nichts, sich zu verstellen und im Nachhinein stellt sich dann heraus, dass es doch nicht passt.

Wie lange hat das Assessment-Center
gedauert und was genau musstest du da machen?
Lena: Bei mir ging es über den ganzen Tag. Zuerst gab es eine Vorstellungsrunde aller Teilnehmer. Anschließend fanden dann die Tests in den Bereichen Mathematik, Deutsch, Englisch, Allgemeinwissen und Wissenswertes rund ums Unternehmen statt. Nach dem Mittagessen wurden wir in mehrere Kleingruppen eingeteilt. In den Kleingruppen nahmen wir an einer Betriebsführung teil. Zum Schluss wurden dann auch noch gleich die Vorstellungsgespräche angehängt. Insgesamt war es ein anstrengender aber lehrreicher Tag.
Nora: Bei mir lief das ähnlich ab. Die Unternehmen beobachten während der unterschiedlichen Aufgaben auch dein Verhalten. In Rollenspielen und Gruppenarbeiten testen sie beispielsweise deine Teamfähigkeit, deine Kooperationsfähigkeit oder den Umgang mit Stress.

Wie sollte man sich auf so einen Einstellungstest vorbereiten? Wie hast du dich vorbereitet?
Lena: Ehrlich gesagt habe ich mich gar nicht vorbereitet, da ich sehr kurzfristig eingeladen wurde. Ich wurde dann einfach ins kalte Wasser geschmissen. Gerne hätte ich mich vorher zumindest einmal auf der Website der Firma darüber informiert, was die Firma tut, wann das Gründungsjahr war, wer der Gründer ist, an welchen Standorten das Unternehmen vertreten ist … Nun ja, letztendlich habe ich improvisiert, das war aber kein so tolles Gefühl, da alle anderen Teilnehmer ein umfangreiches Wissen über die Firma hatten.
Nora: Je besser du vorbereitet bist, desto sicherer fühlst du dich. Und diese Sicherheit strahlst du dann natürlich auch nach außen aus. Im Internet gibt es dazu verschiedene Seiten, auf denen du dich durch beispielhafte Übungsaufgaben vorbereiten kannst.

Welche Tipps kannst du anderen geben, die sich momentan in der Bewerbungsphase befinden?
Lena: Macht euch vorher nicht all zu verrückt. So schlimm, wie man es sich immer vorstellt, ist es gar nicht. Dennoch solltest du dich wenigstens ein kleines bisschen mit dem Unternehmen auseinandergesetzt haben und wissen, was die Firma überhaupt macht. Ein weiterer wichtiger Tipp: zeig dich über die komplette Zeit von deiner besten Seite! Ich habe im Nachhinein einmal erfahren, dass ein Teilnehmer nicht eingestellt wurde, da er beim Mittagessen unangenehm aufgefallen ist und nicht ordentlich gegessen hat.
Nora: Und wenn es mal nicht klappen sollte, dann gib nicht auf, sondern sehe es als Training für das nächste Mal. Du kannst am Ende des Assessment-­Centers auch um ein Feedback bitten, damit du deine Persönlichkeit weiterentwickeln kannst und beim nächsten Mal gut vorbereitet bist.