Umschulung

Neue berufliche Perspektive?
Es gibt viele Gründe für Eine Neuorientierung.

Was, wenn man seinen bisherigen Beruf nicht mehr ausüben kann oder will? Gründe hierfür gibt es viele. Die häufigsten stellen physische und psychische Krankheiten dar. Hierunter fallen beispielsweise Bandscheibenvorfälle oder Burn-outs. Sie können dazu führen, dass die Betroffenen ihrem bisherigen Beruf nicht mehr nachgehen können. Auch technische Neuerungen und Arbeitslosigkeit können dazu führen. Der Wunsch nach persönlicher Umorientierung sowie die Notwendigkeit, am Arbeitsmarkt gefragt zu bleiben, sind weitere Beweggründe. Doch eines haben all diese Motive gemeinsam: Sie erfordern Mut zum Neuanfang! Hier kommt die Umschulung ins Spiel. Sie bezeichnet eine Aus- oder Weiterbildung in einem anderen als dem zuvor ausgeübten Beruf.

Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein?

Achtung: Wer über eine Umschulung nachdenkt, muss mindestens 18 Jahre alt sein, eine Berufsausbildung angefangen bzw. abgeschlossen haben und einen relevanten Grund zur Notwendigkeit seines Vorhabens vorlegen können. Das ist beispielsweise eine Berufsunfähigkeit durch Krankheit oder Burn-out. Hier besteht seitens des Arbeitnehmers oftmals nicht mehr die Möglichkeit in den ursprünglichen Beruf zurückzukehren. Aber auch einfach Unwohlsein oder der Wunsch nach einer beruflichen Neuorientierung geben manchmal Anlass zur Umschulung. Doch nicht jeder Antrag auf Umschulung wird von der Arbeitsagentur bewilligt. Neben Krankheit liegt ein relevanter Grund insbesondere dann vor, wenn drohende Arbeitslosigkeit bevorsteht oder gute Jobaussichten im Nachgang der Umschulung gegeben sind.

Die Entscheidung zur Umschulung musst du gut durchdenken und solltest sie nicht einfach so aus einer Laune heraus fällen. Schließlich hat dieser Schritt weitreichende Auswirkungen auf deine Zukunft. Du stehst wieder so gut wie am Anfang deiner Karriere, also ein kompletter Neustart mit tiefgründigen Veränderungen für dein Leben!

Welche Möglichkeiten zur Umschulung gibt es?

Verschiedene Modelle einer Umschulung sind möglich. Je nach Umschulung und Weiterbildung handelt es sich um Teil- und Vollzeitlehrgänge sowie berufsbegleitende Modelle. Oftmals werden die theoretischen Inhalte auch an sogenannten Abendschulen vermittelt, eine Reduktion der normalen Arbeitszeit ist dann nicht zwangsläufig nötig.

Die Bundesagentur für Arbeit unterscheidet zwei Möglichkeiten der beruflichen Neuorientierung. Hierbei handelt es sich zum einen um die sogenannte Anpassungsqualifizierung und zum anderen um eine berufliche Weiterbildung. Unterschieden werden also die Zweitausbildung, die Auffrischung von Fachkompetenzen, um laufend am Ball zu bleiben und das Anstreben eines höheren Abschlusses zur persönlichen Weiterentwicklung.

Abgesehen von den Möglichkeiten der Bundesagentur für Arbeit besteht die Unterscheidung in schulische, betriebliche und überbetriebliche Umschulungen. Wie der Name schon sagt, handelt es sich bei der schulischen Umschulung um den Besuch einer beruflichen Schule mit integrierten Praktika zum Erhalt eines anerkannten Abschlusses.

Neben einer rein schulischen Umschulung, für die Praktika erforderlich sind, besteht auch die Möglichkeit einer Kooperation mit einem Unternehmen. Dann handelt es sich um eine duale oder betriebliche Umschulung. In einer betrieblichen Umschulung gehst du über zwei oder drei Jahre hinweg (je nach Ausbildungsberuf) ein bis zwei Mal in der Woche zur Berufsschule. An den anderen Tagen erlernst du die praktischen Fertigkeiten direkt im Unternehmen, in welchem du angestellt bist. Das Modell der betrieblichen Umschulung macht dann Sinn, wenn du in ein komplett neues Berufsfeld einsteigen möchtest, beispielsweise eine Umschulung vom Bäcker zum Industriemechaniker. Du erhältst neben einem Abschlusszeugnis auch über die Ausbildungszeit von 2 oder 3 Jahren hinweg eine Ausbildungsvergütung. Eine Auflistung beliebter Umschulungsberufe findest du unter: www.lernen.net/artikel/umschulung-8-­tipps-infos-fuer-deine-zweitausbildung-2557/

Ähnlich bei der überbetrieblichen Umschulung. Sie ist besonders beliebt bei Menschen, die neben ihrem bestehenden Job oder der Familie noch an einer beruflichen Neuorientierung interessiert sind. Eine derartige Umschulung muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass du zur Schule gehen musst. Es besteht oftmals die Möglichkeit, über ein virtuelles Klassenzimmer derartige Umschulungen von zu Hause über Online-Kurse und E-Learnings zu absolvieren. Dieses Modell bietet sich vor allem im Bereich der überbetrieblichen Umschulung an.

Zusätzlich bestehen die Möglichkeiten einer Aufstiegsweiterbildung, das Nachholen eines Schulabschlusses oder die Entscheidung für ein Studium. Beispiele hierfür sind der Meistertitel im Handwerksbereich, der Techniker, der Fach- und Betriebswirt oder ein Hochschulabschluss.

Nicht in allen Fällen ist eine schulische Fortbildung erforderlich. Es gibt auch vereinzelt Möglichkeiten, eine Umschulung in Form von praktischer Einarbeitung in das neue Gebiet zu erlangen. Eventuell ist auch ein Arbeitgeberwechsel gar nicht notwendig. In vielen Unternehmen werden interne Weiterbildungen zur Umorientierung angeboten, teilweise sogar während der normalen Arbeitszeit, direkt am Arbeitsplatz. Diese Form wird auch „Training on the Job“ genannt.

Welche Möglichkeiten zur finanziellen Unterstützung gibt es?

In jedem Fall bietet es sich an, sich im Voraus beim Bundesministerium für Bildung und Forschung über das Aufstiegs-BAföG zu informieren (www.aufstiegs-­bafoeg.de/). Eine finanzielle Unterstützung kann schließlich nicht schaden. Eine zusätzliche finanzielle Förderung kann auch von deinem Arbeitgeber kommen. Auch hier gilt wieder: Einfach fragen – fragen kostet nichts.
Die Bundesagentur für Arbeit bietet in einigen Fällen auch die Möglichkeit für die Auszahlung von Arbeitslosengeld. Kläre dies also unbedingt im Vorfeld mit deinem Jobcenter ab. Eventuell steht dir das Geld sowieso zu, warum solltest du dann darauf verzichten?
Bei einer betrieblichen Umschulung erhältst du deine Vergütung durch staatliche Förderung. In Abhängigkeit deiner Situation bezahlt die Rentenversicherung oder die Agentur für Arbeit. Auf freiwilliger Basis kann dich dein Arbeitgeber noch zusätzlich finanziell unterstützen.

Aber auch bei einer schulischen Umschulung kannst du dich neben dem Aufstiegs-BAföG für ein bezahltes Praktikum bewerben und so nebenher Geld verdienen. In deinen Schulferien kannst du dann noch zusätzliche Ferienjobs absolvieren.

Warum lohnt sich eine Umschulung?

Im Zuge der Digitalisierung und Globalisierung werden viele Tätigkeiten durch moderne Technik oder Roboter ersetzt. Gerade dann ist es notwendig, sich neu zu orientieren, um nicht Gefahr zu laufen, früher oder später auf der Straße zu stehen. Damit einher geht der steigende Fachkräftebedarf. Wer sich also frühzeitig um eine Umschulung kümmert, kann die Weichen schon rechtzeitig stellen und kommt anderen zuvor. Wie heißt es so schön: Der frühe Vogel fängt den Wurm!

Eine Umschulung kann, wie bereits beschrieben, auch in Form einer Weiterbildung erfolgen. Eine derartige Fortbildung ist lohnenswert, um nicht auf der Stelle stehen zu bleiben und den Anschluss an die ständigen technischen Neuerungen nicht zu verpassen. So bleibst du für den Arbeitgeber attraktiv und bekommst oftmals die Möglichkeit, neue spannende Aufgaben zu übernehmen, mehr Verantwortung zu erhalten und dadurch möglicherweise mehr Geld zu verdienen.
Das Lernprogramm einer Umschulung beinhaltet neben den fachlichen Qualifikationen auch bereichsübergreifende Kenntnisse. Zusätzlich werden Allgemeinwissen, Rhetorik, Medienkompetenzen und vieles mehr vermittelt. Allein aus diesem Grund kann es empfehlenswert sein, über eine Umschulung oder zusätzliche Qualifikation nachzudenken.

Wo kann man sich informieren & beraten lassen?

Zahlreiche Informationen zum Thema Umschulung erhältst du bei einer Internetrecherche. Ein persönliches Gespräch und einen Beratungstermin kannst du bei der örtlich ansässigen Bundesagentur für Arbeit oder dem Berufsinformationszentrum (BIZ) vor Ort erhalten.

Im Falle einer Berufsunfähigkeit kannst du dich auch an die Berufsförderungswerke (www.bv-bfw.de/alltags-­sprache/wir-ueber-uns/die-berufsfoerderungswerke.html) wenden. Diese sind speziell für Umschulungen in Form einer Ausbildung oder Teilqualifikation ausgelegt. Hier gibt es ebenfalls die Möglichkeit einer Förderung, sofern ein ärztliches Gutachten vorliegt.

Weitere Informationen erhältst du unter:
www.arbeitsagentur.de/karriere-und-weiterbildung/­beruf-wechseln, www.karrierebibel.de/umschulung/

 

Ein zu diesem Artikel passendes Interview zum Thema Berufliche Neuorientierung findest du hier.