Raus aus Hohenlohe um zu Unterhalten – Michael Krebs

SWAG trifft Michael Krebs, Kabarettist aus Neu-Kupfer

Ausgefallene Berufe gibt es einige. Ziemlich ausgefallen ist der eines Musikkabarettisten und Songwriters. Diesem Beruf geht Michael Krebs nach, der 1974 in Schwäbisch Hall zur Welt kam und in Neu-Kupfer aufwuchs. Nach der Grundschule in Kupferzell besuchte er das „Michele“ in Hall. Zu seinem Berufsbild kam er nicht ganz geradlinig, aber trotzdem zielstrebig. Und spricht man mit ihm über seinen Beruf, fühlt man, wie sehr er liebt, was er tut. „Ich schlafe jeden Tag aus, das ist super. Aber nach dem Aufstehen ist jeder Tag anders. Klar übe ich täglich, aber wenn ich nicht auf Tournee bin, mache ich auch viel, was nichts mit Musik oder Bühne zu tun hat: Verwaltungsarbeit, Mails schreiben, organisieren und planen.“ Und neben dem regelmäßigen Üben, der Büroarbeit und den Tourneen (die oft aufgrund von Termin­änderungen im Zickzack durch Deutschland führen) muss es „nebenbei“ auch mit der Kreativität klappen, um ein neues Programm zu erarbeiten. „Ein kreatives Mindset hilft ungemein.“ Und der Abschied von der Perfektion. „Mir hat sich eingeprägt, was Georg Kreisler mal gesagt hat: ‚Ich hätte gerne andere Lieder geschrieben, aber ich musste die schreiben, die mir einfielen.‘ Da wusste ich – man wäre zwar gerne Freddy Mercury oder Paul McCartney, aber jeder muss seinen eigenen ‚Blackbird‘ schreiben.“

Von Aufregung keine Spur

Ganz relaxt sitzt Michael Krebs am 21. März 2019 in seiner Garderobe im Carmen Würth Forum, als er das erzählt. Noch anderthalb Stunden bis zur Vorstellung und von Lampenfieber ist ihm nichts anzumerken. Ist er gar nicht aufgeregt? „Aufregung ist einerseits anstrengend, die macht dich fertig. Wenn ich zu früh aufgeregt bin, bin ich auf der Bühne schlapp. Andererseits ist Aufregung auch Energie, die man für sich nutzen kann. Ich habe das ähnlich wie die Leistungssportler gelernt. Die müssen die Aufregung auch nach und nach steigern und können sie nicht erst einschalten, wenn sie am Start stehen, damit sie die nötige Energie für ihren Lauf haben.“

Und das klappt bei Krebs ganz hervorragend, denn später fegt er mit dermaßen viel Temperament und Partylaune durch seine Lieder, dass man einfach mitgerissen wird. Das gilt für die neuen Songs seines aktuellen Albums „An mir liegt‘s nicht“ genauso wie für die Klassiker, wie „Das Mädchen von der Jungen Union“, „Leude“ oder „Grundschullehrerin“.
Seinen nächsten Auftritt in Hohenlohe hat Michael Krebs am 14. Juli 2019 um 11.00 Uhr bei den Burgfestspielen in Jagsthausen. Weitere Informationen und Termine zu seinen Auftritten solo oder mit der Band „Die Pommesgabeln des Teufels“ gibt es auf www.michaelkrebs.de.

Mit Michael Krebs im Gespräch

SWAG: Was war dein Lieblingsfach bzw. deine Lieblingsfächer in der Schule?

Michael Krebs: Ich fand eigentlich alles super. Außer Kunst, Sport, Chemie, Physik, Religion, Französisch, Mathe, Musik, Deutsch, Geschichte, Englisch und das frühe Aufstehen. Hmm. Mein Ding waren wohl eher die AGs. Theater vor allem.

SWAG: Du hast nach dem Abi Lehramt studiert. Für welche Fächer? Wie kam das? Warum hast du dich dann doch anders entschieden?

Michael Krebs: Puh, das ist ’ne lange Geschichte, ich versuch’s im Schnelldurchgang. Nach dem Abi bin ich nach Hamburg gezogen und wollte Popstar oder Jazzmusiker werden, am besten beides. Ich dachte, die warten da auf mich, schließlich war ich in Neu-Kupfer der beste Nachwuchspopstar. Allerdings auch der Einzige. In Hamburg haben die mich ausgelacht. Zu Recht, ich war auch echt schlecht. Danach hab ich mir gute Lehrer gesucht und erst mal ein Jahr lang wie ein Irrer geübt, hab dann mit Musik und Germanistik auf Lehramt angefangen und bin später auf ein Jazzklavierstudium abgebogen. Da hab ich sogar einen Abschluss gemacht! Das hatte ich meiner Mutter nämlich versprochen.

SWAG: Was haben deine Eltern gesagt, als du ihnen davon erzählt hast? Waren sie überrascht, entsetzt und/oder haben sie dich unterstützt?

Michael Krebs: Meine Eltern sind toll, ich glaube nicht, dass ich das ohne sie geschafft hätte. Die haben mich immer unterstützt, wenn ich was brauchte. Und sie hatten ein großes Vertrauen, dass ich schon was auf die Reihe kriege, wenn sie mich einfach machen lassen. Aber klar, am Anfang war meine Mutter schon erst mal kurz erschrocken, als ich sagte, ich werde Musiker.

SWAG: Du hast dann Musik an der HfMT in Hamburg studiert. Wie kann man sich so ein Musikstudium vorstellen? Was macht man da so?

Michael Krebs: Ein Musikstudium ist ne krasse Sache, weil man im Vergleich zu anderen Studiengängen unglaublich individuell betreut wird. Man lernt sehr viel, muss aber auch extrem viel üben. Meistens hat man einzeln Unterricht, manchmal auch in kleinen Gruppen. Neben meinem Hauptfach Klavier hatte ich zum Beispiel noch Unterricht in Gesang, Schlagzeug, Querflöte, Gitarre, Chorleitung, Orchesterleitung, Arrangieren, Partiturspiel, Tonsatz, Gehörbildung, Musikgeschichte und mehr. Für jedes Fach muss man üben, sonst sitzt man eine Woche später allein mit seinem Lehrer am Instrument und der stellt unbequeme Fragen. Im Germanistikseminar saßen wir mit hundert Leuten. Da merkte keiner, ob du weißt, worum es geht.

SWAG: Wie bist du auf die Idee gekommen, Musikkabarett zu machen? War das eine logische Fortentwicklung oder ein weiterer Schreck für deine Eltern?

Michael Krebs: Haha. Nein, das finden die super. Ich bin da so reingerutscht. Irgendwann hab ich nen lustigen Song geschrieben. Der entwickelte sich zu einem kleinen Hit im Hochschulkreis und führte dazu, dass ich als der Typ galt, der lustige Lieder schreiben kann. Es ergaben sich Auftritte bei kleinen Comedyshows, ich schrieb noch ein paar Lieder, weil den ersten irgendwann alle kannten und so wurde das nebenbei immer größer. Ich hab das aus Spaß gemacht, große Pläne hatte ich da gar nicht. Als irgendwann nach einem Auftritt eine Bookerin vor mir stand und sagte, wenn ich genug Lieder beisammen hätte für ein ganzes Konzert, könne ich davon leben, war ich erst mal total überrascht. Aber sie hatte recht.

SWAG: Wie kommt man, gerade am Anfang, an Engagements?

Michael Krebs: In hatte das seltene Glück, dass besagte Bookerin sich darum gekümmert hat. Ich selbst hätte das nie gekonnt, ich war viel zu schüchtern.

SWAG: Was magst du an deinem jetzigen Beruf, was nicht?

Michael Krebs: Ich liebe Musik. Menschen damit begeistern zu können, macht mich immer wieder glücklich. So toll wie oft auch anstrengend ist die kreative Arbeit, sich das alles auszudenken. Dass ich tun und lassen kann, was ich möchte und alles selbst entscheiden kann, ist super. Hin und wieder zermürbend ist das viele Reisen, die vielen Hotelzimmer und dass ich im Grunde immer im Dienst bin. Da sehne ich mich schon manchmal nach geregelten Arbeitszeiten und auch der sozialen Absicherung einer Festanstellung.

SWAG: Du lebst jetzt in Berlin und bist viel unterwegs. Was bedeutet Hohenlohe für dich?

Michael Krebs: Na, das ist meine Heimat, von der bin ich geprägt, die ist immer dabei. Hier hat alles angefangen. Hier bin ich mit 14 während der Sommerferien jeden Tag nach Waldenburg zur SWG geradelt und habe meinen ersten Ferienjob gemacht. Wir haben unter anderem neun Container extragroße Schrauben sortiert, weil die Hälfte davon krumm war, der Chef aber nicht einfach alle wegschmeißen wollte. Ein echter Schwabe. Von dem Geld hab ich mir meine erste E-Gitarre gekauft, um die Songs von Iron Maiden und Metallica zu spielen. Als ich zu Hause das erste mal den Verstärker aufdrehte, da war High Life.

SWAG: Du hast schon einige Preise gewonnen. Gibt es einen, der für dich der wichtigste ist bzw. der dir etwas Besonderes bedeutet?

Michael Krebs: Die sind alle cool. Grade am Anfang bin ich oft zu den Wettbewerben gefahren und wusste, ich muss mindestens Zweiter werden, damit ich meine Miete zahlen kann. Das war ne gute Motivation.

SWAG: Was braucht man deiner Ansicht nach, wenn man den Lebensunterhalt als Wort- und Musikkünstler verdienen möchte?

Michael Krebs: Man muss das unbedingt wollen, denn es gibt ja viel einfachere Wege, um an einen unsicheren Job zu kommen. Aber im Ernst. Leidenschaft und Ausdauer sind, denke ich, sehr wichtig. Und dazu entweder Qualität oder Zynismus.

SWAG: Welche Tipps hast du für Jugendliche, die einen ausgefallenen Beruf – womöglich gegen den Willen der Eltern – ergreifen wollen?

Michael Krebs: Verbündete suchen. Leute ansprechen, die das schon machen, was man selbst gerne tun will. Nach meiner Erfahrung sind viele Menschen sehr hilfsbereit, wenn sie ernsthaftes Interesse spüren an dem, wofür sie auch selbst brennen.

Herzlichen Dank für das tolle Interview und deine Zeit!