Raus aus Hotel MAMA

zu Beginn der Ausbildung übernehmen die meisten Jugendlichen das erste Mal richtig Verantwortung – häufig auch im Zuge der ersten eigenen Wohnung. Doch wie gehst du das Ganze an und was solltest du beachten?

Zuerst musst du abwägen, ob du wirklich ausziehen willst. Immerhin hat auch Hotel Mama viele Vorteile. Man spart Geld, hat weniger Aufgaben und kann immer um Hilfe bitten, wenn man gerade ein Problem hat. Außerdem kann Mutti viel besser kochen, als man selber. Aber die eigenen vier Wände bringen auch ihre guten Seiten mit sich, sonst würde wohl niemand freiwillig ausziehen! In erster Linie hast du viel mehr Freiheit, auch was das Treffen von Entscheidungen angeht. Du wolltest schon immer deine grüne Couch vor eine orange Wand stellen, aber deine Eltern haben es dir untersagt? In deiner eigenen Wohnung kannst du dich einrichten, wie du möchtest. Du entscheidest, ob der Kühlschrank in die Küche oder doch direkt neben das Bett kommt. Außerdem kannst du Besuch empfangen, wann du möchtest, ohne darauf zu achten, ob deine Eltern vielleicht schon schlafen. Selbstständigkeit und Verantwortungsbewusstsein lernt zudem jeder irgendwann, der von Zuhause auszieht und das sind auch sehr wichtige Fähigkeiten im Berufsleben.

Natürlich musst du aber neben dem ganzen Freiraum auch bedenken, was so eine Wohnung für Arbeit und Kosten mit sich bringt. Möbel, monatliche Miete, Kaution, Lebensmittel, Versicherungen, Internet, Fernsehen, Wasser, Strom… da kommt einiges zusammen. Da stellst du dir sicher die Frage: Wie kann ich denn das Ganze finanzieren? Natürlich ist das Thema mit dem Geld abhängig davon, was du monatlich an Einkommen hast. Zusätzlich kannst du mit deinen Eltern sprechen, die dir dein Kindergeld und eventuell bezogenen Unterhalt überweisen können. Außerdem kannst du als Auszubildender Wohngeld und Berufsausbildungshilfe beantragen. Und je nachdem, was du unterm Strich dann monatlich zur Verfügung hast, musst du natürlich planen, wie viel Geld du in eine Wohnung investieren kannst. Ist eine eigene Wohnung vielleicht zu teuer, kannst du auch darüber nachdenken, ob eine WG oder ein Azubi-Wohnheim in Frage kommen, denn diese Optionen sind in Bezug auf die Mietkosten meist viel günstiger.

Das Wichtigste bei einer eigenen Wohnung ist das richtige Haushalten mit deinem Geld. Du gehst mit einem Mietvertrag die Verpflichtung ein, regelmäßig deine Miete zu zahlen. Auch bei anderen Verträgen, die mit dem Auszug in Verbindung stehen, unterliegst du einer Zahlungspflicht. Also solltest du stets so haushalten, dass diese Kosten immer gedeckt sind, du aber auch genug Geld übrig hast, um dich zu verpflegen. Das bedeutet, dass du leider nicht jeden Abend Essen gehen oder immer den teuersten Wein für die nächste Party kaufen kannst, sondern eben auch mal auf günstigere Produkte umsteigen oder gar auf manche Sachen verzichten musst. Aber mit der Zeit lernst du, wie viel du für was ausgeben kannst, ohne ständig pleite zu sein.
Jeder muss für sich selbst entscheiden, ob der Auszug von Zuhause, vor allem während der Ausbildung, das Richtige für ihn ist.

Aber wie geht es denn jetzt weiter, wenn du dich fürs Ausziehen entschieden hast? Nun ja, zuerst muss eine geeignete Wohnung her. Das bedeutet, du musst dich, zum Beispiel auf Portalen im Internet oder in der Zeitung erkundigen, welche Wohnungen in Frage kämen und eventuell Besichtigungstermine ausmachen.
Hast du eine passende Wohnung gefunden und diese auch zugesagt bekommen, geht es daran, den Umzug und einige andere Dinge zu organisieren:

  • Benötigst du einen Telefon-/Internet-/Fernseh­anschluss?
  • Brauchst du eine Haftpflicht- oder eine Hausrat­versicherung?
  • Kannst/Musst du eventuell Wohngeld, Berufsausbildungshilfe oder sogar einen Kredit beantragen?
  • Du musst in jedem Fall deinen Wohnsitz beim zuständigen Amt ummelden! (Und bei deiner Bank, deinen Versicherungen usw.)

Beim Unterschreiben des Mietvertrages gilt es auch einiges zu beachten, denn bei Mietverträgen gibt es kein Rückrufs- oder Widerrufsrecht. Daher solltest du dir den Vertrag sehr genau anschauen und ihn im Idealfall mit unabhängigen Fachleuten durchgehen, um im Nachhinein keine bösen Überraschungen zu erleben. Einige Punkte, die du in jedem Fall überprüfen solltest, sind:

  • Ist die Mietwohnung richtig beschrieben? Manchmal wird die Wohnung im Mietvertrag größer angegeben, als sie tatsächlich ist und wird somit auch teurer, als sie sein müsste. Außerdem sollten alle im Vertrag angegebenen mitvermieteten Bestandteile (z. B. Einbauküche) auch tatsächlich vorhanden und mängelfrei sein.
  • Ist eine vollständige Anschrift des Vermieters im Vertrag angegeben? Im Zweifel ist es gut, eine konkrete Adresse zu haben, an die du dich wenden kannst, um nicht mit einem Postfach Vorlieb nehmen zu müssen.
  • Gibt es eine Klausel für Klein- und Schönheitsreparaturen? Nach dem Gesetz ist der Vermieter verpflichtet sämtliche Reparaturen der Wohnung zu tragen. Allerdings kann der Vermieter im Vertrag regeln, dass du kleinere Reparaturen selbst zahlen musst. Diese Summe ist zwar auf maximal 200,00 Euro im Jahr beschränkt, aber auch das ist Geld, was man sich gerne spart.
  • Wie ist die Mietkaution angesetzt? Die Kaution darf drei Monatskaltmieten nicht übersteigen. Auch hast du das Recht, die Kaution in Raten zahlen zu können.

Natürlich gibt es noch einige andere Dinge, auf die du achten musst. Hierfür gibt es etliche Check-Listen im Internet.

Für den Umzug kannst du entweder ein Umzugsunternehmen anheuern oder du bekommst Unterstützung von deiner Familie und deinen Freunden, was natürlich die günstigste Alternative ist.

Was du alles für die „Erst-Einrichtung“ benötigst, kannst du auch im Internet nachlesen, falls du nicht selber im Kopf hast, was du so brauchst. In vielen Foren findest du sogar, wer hätte es gedacht, Check-­Listen zum Ausdrucken. Auch hilft es, wenn der Umzug in greifbare Nähe rückt, ein paar Tage zu beo­bachten, was du den ganzen Tag alles so benutzt und diese Gegenstände (eventuell auch Lebensmittel und ähnliches) zu notieren, damit du einen Überblick bekommst, was du alles im Alltag benötigst.

Steht deine Planung und ist alles organisiert, kann der Umzug auch schon kommen!

 

Natalie Taute,
Auszubildende Industriekauffrau bei R. Stahl in Weimar

Wie fühlt man sich, wenn dann die erste Nacht in der neuen Wohnung ansteht? Für mich war es erstmal sehr seltsam nicht in der gewohnten Umgebung zu schlafen. Außerdem habe ich einen Mitbewohner, an dessen Gewohnheiten ich mich erstmal gewöhnen und etwas anpassen musste, denn er putzt leider nicht so gerne, wie meine Mama 😉 . Aber dieses Gefühl von Entscheidungsfreiheit, bestimmen zu können, wann ich was mache und wo ich was hinstelle, gefällt mir doch sehr gut. Leider bleibt es aber dadurch nicht aus, dass man trotzdem manchmal sein Kinderzimmer und die Unterstützung von Mama vermisst. Mir hat der Auszug aber sehr geholfen in meiner Selbstständigkeit zu wachsen und auch Dinge alleine zu meistern.